Neugeborene reagieren auf Klangmuster, die wichtig für Spracherwerb sind.
Auch schlafende Neugeborene (0-4 Tage alt) haben den Cocktail-Party-Effekt im Gehirn aktiv: Sich wiederholende Klänge werden vom Hintergrundrauschen getrennt wahrgenommen. Clemens Fabry
26.06.2026 um 11:07
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von
Veronika Schmidt
„Was hast Du gesagt?!“ In geräuschvoller Umgebung ist es schwierig, sein Gegenüber zu verstehen. Menschen und Tiere sind meist von gleichzeitig erklingenden Geräuschen umgeben: Menschen in überfüllten Räumen, bei Verkehrslärm oder Hintergrundmusik; Tiere in dem Vielklang der Natur. Die Fähigkeit, Klangfolgen aus einem Gemisch zu erkennen, ist enorm wichtig. Das nennt man auditive Signaltrennung oder Cocktail-Party-Effekt. Das Gehirn filtert aus dem Gewirr gleichzeitiger Geräusche genau die Klänge heraus, die „zusammengehören“ und trennt sie von allem anderen.
Forschungsteams aus Ungarn, Frankreich, Italien und Österreich wollten wissen: Ab welchem Alter lernt unser Gehirn diesen Trick? Können Neugeborene – wenige Tage alt, im Tiefschlaf – tonal zusammenhängende Muster aus zufälligen Hintergrundgeräuschen herausfiltern? In Frontiers in Human Neuroscience belegen sie, dass im Gehirn der Neugeborenen eine messbar andere Reaktion stattfindet als bei reinem Hintergrundrauschen.
Dazu wurden 33 gesunde Neugeborene im Alter von null bis vier Tagen während des natürlichen Schlafs Tonsequenzen vorgespielt: Soundgemische, in denen sich ein regelmäßiges Muster (wiederholende Frequenzen) in einem Hintergrund aus zufällig wechselnden Tönen verbarg. Mit hochauflösenden EEG-Aufnahmen (Messung der Hirnaktivität über 64 Elektroden auf der Kopfhaut) waren Reaktionsmuster sichtbar, ähnlich der Reaktion bei Erwachsenen: aber etwas langsamer und noch nicht so spezialisiert. Petra Kovács vom Wiener Institut für Schallforschung der ÖAW erklärt: „Die Fähigkeit, regelmäßige von unregelmäßigen Klängen zu unterscheiden, ist eine grundlegende Voraussetzung für den Spracherwerb.“ (vers)