Es war Tim Cooks letzte WWDC nach knapp 15 Jahren als CEO von Apple. Mit 1. September übernimmt John Ternus die Rolle des CEO. Nach 14 Jahren ist Schluss. Und vor genau 14 Jahren, bei seiner ersten WWDC, präsentierte Tim Cook den Assistenten Siri. Und genau um diese drehte sich die gesamte Keynote – speziell um Apple Intelligence.
Sichtlich gerührt begrüßte Tim Cook die anwesenden Journalisten. Zum Schluss bedankte er sich für die letzten Jahre: „Es war ein einmaliges Erlebnis, dieses Unternehmen zu führen. Wenn ich eines gelernt habe, dass nichts unmöglich ist und das Beste noch vor uns liegt.“
Traditionell startet die Apple-Keynote mit einer kurzen, typischen Einleitung von Tim Cook vor Ort. Es wird ein kurzer Überblick über hauseigene Initiativen gegeben und hervorgehoben, dass stündlich 1000 neue Apps in den Store geladen werden. Und dann wird der Knopf gedrückt und die Präsentation abgespielt. Zu seiner letzten WWDC sagt er lediglich, dass er sehr dankbar sei für die letzten 15 Jahre. Damit übernimmt Software-Chef Craig Federighi.
MacOS bekommt eine neue Version und sie heißt MacOS Golden Gate, eine Hommage an San Francisco. Für gewöhnlich sind die Betriebssysteme nach Parks benannt.
„Jede Komponente von MacOS wurde auseinandergenommen und neu bewertet“, um das Betriebssystem „effektiver und effizienter“ zu machen. Dabei sei auch viel auf das Feedback der Nutzer gehört worden. Vor allem in Bezug auf die neue Nutzeroberfläche „Liquid Glass“ hagelte es Kritik. Bei MacOS gibt es jetzt zahlreiche Anpassungsmöglichkeiten, darunter auch die Option die Durchsichtigkeit zu reduzieren. Eine geringere Transparenz erleichtert auch die Lesbarkeit. Warum sich Apple dafür ein Jahr Zeit gelassen hat, bleibt unverständlich. Zu den übrigen Neuerungen zählt, dass die Apps schneller laden. Das gilt auch für Inhalte wie zum Beispiel Fotos. Wer also ein Foto schießt, bekommt es schneller auch auf seinem Mac angezeigt. Das Versprechen: 70 Prozent schneller.
Ein kleiner Seitenschritt zu iOS: Gute Nachrichten für Nutzer eines älteren iPhones: Läuft iOS 26 auf dem Gerät, dann auch iOS 27.
iPadOS, MacOS und iOS: Die Suche wurde überarbeitet, um künftiger leichter zu den gewünschten Inhalten zu kommen. Sobald das Betriebssystem installiert ist, geht der Suchindex an die Arbeit und katalogisiert alle Daten.
Die Änderungen sind vor allem visueller Natur und trimmen Apps und Funktionen wie Health auf Hochglanz. Health wird ergänzt um Perimenopause-Tracking und bei den AirPods bekommen die Nutzer mehr Individualisierungsmöglichkeiten, unter anderem einen Equalizer.
Hier setzt Apple darauf, den Eltern die Kontrolle zu geben, denn „jedes Kind ist einzigartig“. Vor allem geht es darum, auf welche Apps Kinder zugreifen dürfen und in welchem Alter. Welche Apps und Funktionen freigeschaltet sind, orientiert sich am Alter und an Empfehlungen von Experten. Somit sollte bei einem Apple-Gerät auch direkt ein entsprechender Kinder-Account eingerichtet werden.
Das iPhone soll mit dem steigenden Alter der Kinder „wachsen“. Die Eltern bleiben immer in der Kontrolle und sollen auch bestätigen können, ob sie mit neuen Personen wirklich in Kontakt treten dürfen. Ein durchaus kluger Schachzug gegen Fälle von Cybergrooming. Ist die Person den Eltern unbekannt, kann die Zustimmung abgelehnt werden. Fraglich ist, ob das exklusiv für iMessage (Apples SMS-Dienst) ist, oder ob das auch für WhatsApp und andere Messenger-Dienste gilt. Außerdem gibt es Zeitlimits bei der Nutzung von Apps und eine Obergrenze für den Tag. Hier können sich Eltern an den Empfehlungen orientieren, die Apple angibt.
Zudem wurde der Nacktheitsfilter erweitert und inkludiert jetzt auch Formen von Gewalt. Das gilt für Facetime-Anrufe und Bilder.
Es ist „ein großer Schritt“, den Craig Federighi für Apple Intelligence verspricht. Nach zweijähriger Verspätung wird es auch Zeit. Dafür hat sich Apple jüngst Hilfe geholt: von Google. Der größte Schritt: Apple hat Google Gemini so abgewandelt, dass die KI am Gerät läuft. Somit bleiben die Daten beim Nutzer und Apple spart sich massiv Rechenpower. Andere Silicon-Valley-Größen investieren hingegen massiv in Rechenzentren.
„Privatsphäre mit KI ist nicht verhandelbar“, verspricht Federighi und kündigt eine „ganz neue Siri“ an. Siri AI nutzt die KI-Funktionen, während sich in der Benutzung nichts ändert. Der Assistent reagiert weiter auf „Hey, Siri“. Er soll aber zu mehr in der Lage sein und kontextuales Verständnis, sagt der neue Siri-Chef Mike Rockwell. Spannend: „Siri ist schon ein täglicher, praktischer Begleiter, aber manchmal erwartet man mehr von dem Assistenten.“
Rockwell demonstriert die neuen Fähigkeiten von Siri AI. Einen tatsächlichen Eindruck gibt das natürlich nicht wieder, aber man will sich offenbar nicht die Blöße geben und riskieren, dass bei einer Live-Demo etwas danebengeht.
Rockwell ist seit 2015 bei Apple und ist seit Ende des Vorjahres hauptverantwortlich für Siri. Viele Beobachter sehen ihn als den Mann, der Siri endlich in das KI-Zeitalter führen soll. Intern gilt er als pragmatischer Produktentwickler, der schwierige Hardware- und Softwareprojekte umsetzen kann. Deshalb wurde er ausgerechnet mit Apples derzeit größter Baustelle betraut.
Unabhängig davon: Die Siri-Blase wandert jetzt auf den oberen Rand des Bildschirms und wird größer, wenn sie „denkt“. Man muss aber nicht „Hey, Siri“ sagen, sondern kann die KI auch durch eine Wischgeste (von unten nach oben) aktivieren. In MacOS wandert Siri in Spotlight. Diese Verschmelzung macht durchaus Sinn.
Siri soll jetzt also zu einem Assistenten werden, mit dem man auch sich geistig austauschen kann. Über Pläne, Ideen und Urlaubsrouten. Bei der Demo wird gezeigt, was Siri alles liefert, wenn man sie zur WM fragt – inklusive Watchparty, passenden Rezepten und einer Einladung an eine Freundesgruppe.
Siri wird in Notizen integriert – das bedeutet, man kann mit Siri auch schreiben und arbeiten. Es wird ein Sparring-Partner in nahezu allen Apple-Apps. Doch nicht nur sprechen und reden ist mit Siri AI möglich. Künftig soll man auch Rechnungen fotografieren können und den Betrag entsprechend splitten.
Auffällig: Auch wenn die Demo aufgezeichnet ist, um jede Panne zu vermeiden, ist Siri sehr gemütlich unterwegs. Also im Vergleich zu ChatGPT oder Claude.
Unabhängig davon hat Apple einen großen Vorteil: ihre verschränkten Betriebssysteme. Das heißt, man kann am iPhone ein Gespräch mit Siri reden und es am Mac fortsetzen, oder auf der Apple Watch und sogar auf der Vision Pro, Apples Virtual-Reality-Brille.
Vorerst wird Siri nur englisch können, andere Sprachen „sollen schon bald folgen“.
Wer kennt es nicht? Eine Browser-Session artet aus und plötzlich sind 30 Tabs offen. Wer das nicht möchte, oder übersichtlich findet, kann Safari sie in Gruppen teilen lassen – völlig automatisch. Wer Tabs offen lässt, um etwa eine Anmeldung nicht zu verpassen, kann sich über Safari benachrichtigen lassen.
Spannend: Suchen nach Erweiterungen für den Browser ist Geschichte. Man kann diese selbst erstellen. Wirklich schlau ist das: Wird ein Passwort in Leaks entdeckt, wird es automatisch geändert und im Passwort-Manager gespeichert – sofern dieser verwendet wird. Im Kalender muss man jetzt nicht mehr mühsam einen Serientermin erstellen, sondern tippt in die Beschreibung „jede Woche“.
Benachrichtigungen werden neu mit KI organisiert. Zudem soll KI Videos von Kameras analysieren und automatisch miteinander verbinden. Und nachdem Apple keine eigenen Kameras im Sortiment hat, muss man bei einem Smart Home in Verbindung lediglich darauf achten, dass die smarten Geräte den Matter-Standard unterstützen.
Randnotiz: Seit iOS 16.1 unterstützt Apple den Standard und gehört sogar zu den Unternehmen, die Matter mitentwickelt haben. Matter-Geräte können direkt in der Home-App eingebunden und anschließend über Siri, Automationen, das Kontrollzentrum und andere HomeKit-kompatible Apps gesteuert werden.
Natürlich darf die KI auch nicht in Fotos fehlen. Hier sollen die Bilder nach Belieben verändert werden können. Den Demos zufolge ohne Bildrauschen und Überlagerungen. Mit „Spatial Reframing“ sollen sich Bilder korrigieren lassen, wenn sie nicht ganz zentriert sind, kann das eigentliche Motiv verschoben werden; per Knopfdruck und danach mit einfachen Wischgesten. Hier arbeitet die KI am Gerät und teils auch in der Cloud. Es braucht also in den meisten Fällen eine gute Internetverbindung.
Die Funktion ist kostenlos, aber: Es wird nur ein bestimmtes Kontingent geben, wieviele Bilder damit verändert werden können. Federighi verrät aber nicht die Anzahl. Man kann sich aber erweiterte Nutzungslimiten dazukaufen mit iCloud+. Zudem wird diese Funktion vorerst nicht in Österreich verfügbar sein. In Deutschland schon.
Die schlechte Nachricht kommt zum Schluss: Ddie neue, schlaue Siri wird nicht in Europa verfügbar sein. Federighi sagt, dass man bei Apple aber sehr intensiv daran arbeitet, eine Lösung zu finden.
Worum geht‘s? Um den DMA (Digital Markets Act). Apple argumentiert, dass einige der neuen KI-Funktionen von Siri und Apple Intelligence nicht ohne Weiteres mit den europäischen Vorgaben vereinbar seien. Dabei geht es nicht primär um Datenschutz im klassischen Sinn, sondern um die sogenannten Interoperabilitätsregeln des DMA. Die EU verlangt von großen Plattformen wie Apple, dass bestimmte Funktionen und Schnittstellen auch mit konkurrierenden Diensten und Geräten zusammenarbeiten können. Apple befürchtet, dass dies die Sicherheit, Privatsphäre und die enge Verzahnung seiner Systeme beeinträchtigen könnte.