Es gibt Massagen, es gibt Physiotherapie,und es gibt Massagepistolen. Wozu eigentlich?
Hannah Moser: Das sind drei ganz verschiedene Dinge, so, als würden Sie eine Tomate mit einem gemischten Salat und einer Gabel vergleichen. Die Massage ist eine Technik, eine Zutat. Die Physiotherapie ist der gesamte Salat, der verschiedene Maßnahmen vereint. Die Massagepistole ist ein Werkzeug, um eine Massage durchführen zu können. Die Physiotherapie und mit ihr die therapeutische Massage ist das First-Line-Treatment bei Beschwerden und Verletzungen am Bewegungsapparat, die Massagepistole dagegen gehört in den Freizeitbereich, in die Ecke namens Wohlbefindenssteigerung.
Wann sollte wozu gegriffen werden?
Eine Physiotherapie hat die langfristige Linderung von Schmerzen und Beschwerden zum Ziel und bedient sich dabei auch der Massage, die allerdings eher kurzfristige Effekte wie das Reduzieren von Verspannungen bringt. Massagepistolen werden dabei kaum verwendet, die findet man eher im privaten Wohnzimmer, wenn man sich nach einer Sporteinheit oder einem intensiven, sitzreichen Arbeitstag beweglicher und besser fühlen möchte. Für beides gilt: Es darf keinesfalls schmerzhaft sein – weder während der Anwendung noch danach.
Oft hört man aber: Wenn eine Massage schmerzt, dann wirkt sie.
Das ist ein Mythos, der sich leider hartnäckig hält. Eine Massage, ob mit Pistole oder ohne, sollte nie Schmerzen verursachen. Es kann schon einmal kräftiger ausfallen, aber der Massierte muss sich immer wohlfühlen, sonst wird die Verspannung nicht gelöst, sondern eher verschlimmert. Es ist wichtig, immer auf das eigene Gefühl zu hören, anstatt danach zu gehen, was irgendein Influencer vorzeigt. Sobald es wehtut, sollte man überdenken, was gerade passiert.
Was kann alles schiefgehen?
Eine ganze Menge: Menschen mit Osteoporose, Überbeweglichkeit, akuten oder chronischen Schmerzen, offenen Wunden, Krampfadern, Blutergüssen oder schwangere Personen sollten Massagepistolen eher meiden. Auch Menschen, die Medikamente nehmen, etwa Blutverdünner, sollten vorsichtig sein, da ihnen durch die Vibrationen Adern platzen könnten. Niemals sollten Massagepistolen in der Kopfregion eingesetzt werden, direkt auf der Wirbelsäule und in der vorderen Bauchregion, da dort viele Organe sitzen.
Welche Körperregionen eignen sich für eine Massagepistole?
Angewendet werden sollten sie bei den großen Muskelgruppen und dort wiederum an den Muskelbäuchen, also dem mittleren Muskelbereich. Beliebte Einsatzgebiete sind die Seiten und die Rückseite der Oberschenkel und Waden. Nach vorheriger Abklärung kann es auch im Rücken- und Nackenbereich erholsam sein.
»Im Optimalfall fühlen sich die Menschen agiler, beweglicher, weicher.«
Hannah Moser
Physiotherapeutin und Soziologin
Was ist der denkbar größte Nutzen, den man sich davon versprechen darf?
Vorweg: Zu Massagepistolen gibt es kaum Evidenz, aber viele Menschen fühlen sich entspannter, nachdem sie sie einige Minuten lang auf niedriger bis mittlerer Intensität eingesetzt haben. Die positiven Effekte finden sich vor allem bei Freizeitsportlern und basieren auf neuronalen und vaskulären Prozessen. Das bedeutet: Durch die Vibration werden Durchblutung und Lymphfluss verbessert, das wiederum setzt verschiedene Botenstoffe frei, und unser Gehirn bekommt das Signal: Wir fühlen uns agiler, beweglicher, weicher.
Hannah Moser Holly Kellner