Landeshauptfrau Karoline Edtstadler würdigt Peter de Caluwe als „exzellenten Gestalter“, Festspielpräsidentin Kristina Hammer bleibt als „Kapitänin“ an Bord.
Der designierte Intendant Peter de Caluwe. APA/BARBARA GINDL
18.09.2026 um 14:25
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Nun ist auch offiziell: Der belgische Opernmanager Peter de Caluwe wird nach der Saison 2027 Intendant der Salzburger Festspiele. Das Kuratorium rund um seine Vorsitzende, Landeshauptfrau Karoline Edtstadler (ÖVP), hat den 63-Jährigen am Freitag vorgestellt. Sein Vorbereitungsvertrag beginnt am 1. Oktober. Kristina Hammer wird als Präsidentin des Festivals um fünf Jahre verlängert. Weiter Unklarheit herrscht über die Zukunft des kaufmännischen Geschäftsführers Lukas Crepaz.
„Es sind tatsächlich stürmische Zeiten, durch die wir gegangen sind“, konstatierte Edtstadler bei der Präsentation im Festspielhaus. Deshalb sei Kontinuität wichtig, was in Hinblick auf Hammer bedeute: „Die Kapitänin bleibt an Bord.“ Andererseits gelte aber auch: „Wir steuern neue Häfen an und nehmen deshalb einen neuen ersten Offizier mit an Bord.“ Der am 26. April 1963 geborene de Caluwe, der von 2007 bis 2025 die Brüsseler Oper La Monnaie/De Munt leitete und zuletzt als Geschäftsführer das Europäische Kulturhauptstadtjahr 2030 im belgischen Löwen verantwortete, sei „ein exzellenter Gestalter“, so die Landeshauptfrau: „Dies ist der Aufbruch zu neuen Ufern, dies ist der Beginn einer neuen Ära. Ich freue mich drauf.“
Eine zentrale Frage beantwortete der designierte Intendant gleich zu Beginn: Sein Name werde mit Betonung auf der ersten Silbe ausgesprochen. De Caluwe verwies auf seine lange persönliche Beziehung zu Salzburg – beruflich und als „leidenschaftlicher Zuschauer“ seit vier Jahrzehnten: „Salzburg ist für mich ein Ort, an dem Außergewöhnliches möglich wird.“ Deshalb erfülle ihn seine Ernennung mit Demut: „Demut vor seiner Geschichte, seiner künstlerischen Tradition und vor den Menschen, die diese Festspiele geprägt haben.“ Sein Kompass sei eindeutig: „Höchste künstlerische Qualität und Offenheit.“ Dass bei der Richtung, die er einschlagen wolle, Mozart und Richard Strauss ebenso wie die Pflege von Zeitgenossenschaft wichtige Wegmarken sein werden, daran ließ er in ersten Statements jedoch keinen Zweifel.
„Ich wünsche mir Festspiele, bei denen möglichst viele Menschen spüren können: Dieser außergewöhnliche Ort hat auch mit mir etwas zu tun.“ Ihn interessiere weniger eine Intendanz, die sich über einzelne große Namen definiere, als über unterschiedliche Generationen und künstlerische Zugänge. Mit der aktuellen Interimsintendantin Karin Bergmann, der Edtstadler nicht nur dankte, sondern auch die allerbesten Grüße in den wohlverdienten Urlaub ausrichtete, werde er sich so rasch wie möglich zusammensetzen.
Über eine künftige Schauspielleitung wollte er sich ebenso wenig äußern wie darüber, ob Bergmann ihm eventuell dabei noch das eine oder andere Jahr zur Seite stehen könnte. Er werde sich mit vielen Spezialisten umgeben, strebe aber vor allem eine Engführung aller Sparten an. „Das ist etwas, was ich sehr gerne untersuchen würde: Wie kann man all diese verschiedenen Sparten noch dichter zueinander bringen? Wie kann man aus einzelnen Projekten ein großes, gesamtes, dramaturgisch unterbautes Festival machen?“, so de Caluwe im APA-Interview.
Nun gelte es, das Programm für 2028 und darüber hinaus zu planen. „Dafür ist es schon sehr spät, aber wir haben das Glück, dass Leute vielleicht Engagements fallen lassen, wenn Salzburg anruft.“ Auch für später waren ihm erste Andeutungen (“Aber keine Versprechungen!“) zu entlocken. Community-Opern auf der Basis von Themen der da Ponte-Opern fände er interessant, nach vielen Jahren wieder ein neuer „Rosenkavalier“ könnte etwa 2031 reizvoll sein – „nicht als Sachertorte, sondern als Überlegung zur Zeit“. Ebenso schwirrten so manche Strauss-Raritäten bereits in seinem Kopf herum, so der designierte Intendant.
Eine Herausforderung sei sicherlich der große Umbau der kommenden Jahre. Aber: „Ich möchte diese Zeit nicht nur als eine Einschränkung betrachten, sie kann auch ein künstlerisches Abenteuer sein.“ Für ihn sei es auf jeden Fall wichtig, dass man mit Ausweichspielstätten nahe an der Stadt bleibe und deren Ökonomie nütze. „Wir werden neue Orte entdecken und neue Formen ausprobieren. Und herausfinden, was ein Festival im 21. Jahrhundert sein kann.“
Kristina Hammer hat ihre diesbezüglichen Gedanken in einer „Festspiele im Wandel“ übertitelten „Strategie für die nächsten 5 Jahre“ schriftlich festgehalten. Drei große Themen seien in der nahen Zukunft wesentlich: „Relevanz in einer zerrissenen Gesellschaft“, „Neues Publikum“ und „Finanzierung“. Dabei kann sie sich insbesondere vorstellen, dass für eine Überdachung des Domplatzes private Mittel aufzutreiben wären. Weniger Zuversicht scheint es zu geben, dass Finanzierungslücken für das Großprojekt „Festspielbezirk 2030“ über Sponsoren abgedeckt werden könnten. Zwischen Salzburgs Bürgermeister Bernhard Auinger (SPÖ) und Landeshauptfrau Edtstadler stehend, verwies sie jedoch auf „eine klare Finanzierungszusage“ der öffentlichen Hand über 398 Mio Euro.
Der kaufmännische Direktor Lukas Crepaz, der als zentraler Kopf des Umbauprojekts gilt, das durch einen Rechnungshof-Rohbericht und einen Kostendeckel zuletzt unter Druck geriet, könnte indes den Festspielen abhanden kommen und sich nicht um eine Verlängerung seines Vertrages ab März 2027 bewerben. Edtstadler erklärte, dass Crepaz (der bei der Pressekonferenz nicht anwesend war) kurzfristig das vertrauliche Gespräch mit ihr und dem Bürgermeister gesucht habe. Es habe sich aber um keine Krisensitzung gehandelt: „Ich halte fest, dass persönliche Entscheidungen selbstverständlich zu akzeptieren sind, aber Krise erwächst daraus keine.“ Ob Crepaz dabei, wie mancherorts kolportiert, aufgrund der Verlängerung des Vertrags der Präsidentin angekündigt habe, seinerseits keine Vertragsverlängerung anzustreben, blieb trotz mehrfacher Nachfrage offen. Es sei Vertraulichkeit vereinbart worden, hieß es. Demnächst werde die Stelle ausgeschrieben, dann werde man sehen, wer sich bewerbe.
Immerhin gab es etwas Licht ins Dunkel der Turbulenzen um die Bestellung der Intendanz: Caluwe sowie eine Doppelspitze aus der Amsterdamer Opernchefin Sophie de Lint und Regisseur Barrie Kosky seien als „gleichrangiger Vorschlag“ aus dem Bewerbungsprozess hervorgegangen, sagte Edtstadler. Die unmittelbar nach den Hearings gestarteten Vertragsverhandlungen mit den jeweiligen Bewerbern hätten schließlich zur Bestellung von de Caluwe geführt, der seinen Vorbereitungsvertrag bereits mit 1. Oktober beginnt. Er werde auch schon im Oktober an der nächsten Kuratoriumssitzung teilnehmen, in der Fragen zu Ausweichspielstätten diskutiert werden sollen.
Optimistisch zeigte sich schließlich auch Sektionschefin Theresia Niedermüller: „Ich halte Peter de Caluwe für eine sehr erfahrene Führungspersönlichkeit und einen äußerst erfolgreichen Intendanten.“ Dies habe auch für die Findungskommission gegolten, zitierte sie deren verhinderten Vorsitzenden Christian Kircher: „Die Kommission hat die Entscheidung für Peter de Caluwe und Kristina Hammer ausdrücklich und einstimmig befürwortet.“ (APA)