Volle Autobahnen und Züge, lange Warteschlangen vor den Sicherheitskontrollen auf internationalen Flughäfen: Wer in diesem Sommer reist, könnte meinen, ganz Europa macht gerade Urlaub. Doch der Schein trügt – viele Familien können sich gemeinsame Ferien nicht leisten. Wo auf dem Kontinent sind besonders viele Menschen betroffen?
Laut den neuesten Zahlen des Statistischen Amts der EU, Eurostat, sind im Jahr 2025 insgesamt 27,5 Prozent der europäischen Bevölkerung aus Kostengründen nicht verreist. Das sind um 0,5 Prozent mehr als noch im Jahr zuvor, was wohl vor allem mit steigenden Spritpreisen und teuren Flugtickets zu erklären ist. Langfristig gehen die Zahlen aber zurück – und zwar um immerhin 7,7 Prozent in den vergangenen zehn Jahren. Damals war es noch mehr als ein Drittel aller EU-Bürger über 16 Jahren (35,2 Prozent), das sich einen Urlaub nicht leisten konnte.
Bei genauerer Betrachung der Zahlen wird ein deutlicher Unterschied zwischen den einzelnen Mitgliedstaaten deutlich: Besonders im Osten der EU bleiben Ferien für einen Großteil der Bevölkerung ein nicht leistbarer, oft lebenslanger Wunsch. An der Spitze steht Rumänien, wo weit mehr als die Hälfte der Menschen (61,4%) keinen Urlaub macht, gefolgt von Griechenland (46,6%), selbst eines der beliebtesten Urlaubsländer, Bulgarien und Ungarn (je 39,1%). Besonders im Falle der beiden letztgenannten Länder ist immerhin eine deutliche Verbesserung zu 2015 zu beobachten, als damals 62,4 bzw. 64,9 Prozent der Bevölkerung nicht verreisen konnten.
Wie sieht es in Österreich aus? Die Zahlen liegen mit 17,8 Prozent deutlich unter dem EU-Schnitt, haben jedoch einen Schönheitsfehler: Sie sind seit 2020 signifikant gestiegen; und zwar um exakt fünf Prozentpunkte. Ein wesentlicher Faktor liegt in der hohen Inflation, die besonders seit 2022 stark nach oben gegangen ist und das tägliche Leben erheblich teurer gemacht hat – weshalb sich mehr Menschen als noch zu Beginn des Jahrzehnts gegen einen Urlaub entscheiden.
Die niedrigsten Zahlen und somit den höchsten Anteil der Bevölkerung, der sich einen Urlaub leisten kann, weisen EU-weit übrigens Luxemburg (10,6%), Schweden (12,4%) und die Niederlande (12,8%) auf.
Es überrascht nicht, dass gerade Bewohner jener Länder, wo Urlaube für einen Großteil der Menschen kein finanzielles Problem darstellen, auch häufiger ins Ausland fahren: In Luxemburg waren es 2024 78 Prozent, es folgen Belgien (62%) und Malta (48%). Dagegen machen Rumänen, wenn sie denn überhaupt verreisen, zu 90 Prozent im Inland Urlaub; selbiges gilt auch für Menschen, die ohnehin dort wohnen, wo andere Urlaub machen: Spanier (88%), Franzosen, Portugiesen und Griechen (je 85%).
Die durchschnittliche Urlaubsdauer bei Reisen innerhalb der Union liegt bei vier Nächten, wer in einen Drittstaat reist, bleibt mindestens doppelt so lang. Das ist aber eher die Ausnahme: 2024 fanden über 92 Prozent aller Reisen durch EU-Bürger innerhalb der Staatengemeinschaft statt.
Kurztrips werden zunehmend beliebter: Laut Eurostat lag die Dauer von knapp ein Fünftel aller Reisen bei nur einer Übernachtung, bei einem weiteren Viertel bei zwei Übernachtungen. Vier bis sieben Nächte (27,7%) ist die beliebteste Urlaubslänge, nur etwa 15 Prozent bleiben acht Nächte oder länger. Nimmt man touristische und Geschäftsreisen zusammen, ergibt das laut Eurostat insgesamt 1,2 Milliarden Reisen für 2024.
Das beliebteste Fortbewegungsmittel war auch im Vorjahr das eigene Auto (64,1%), gefolgt vom Flugzeug (16,2%) und dem Zug (13,2%).