Russland meldet die Abwehr von 556 ukrainischen Drohnen. In Moskau und der Region Belgorod kamen vier Menschen ums Leben, in der ukrainischen Grenzregion Sumy starben zwei Männer beim Abtransport eines abgestürzten Fluggeräts.
Symbolbild: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj besucht gemeinsam mit seinem Stv. Pawlo Palisa und Armeechef Oleksandr Syrskyj eine Stellung ukrainischer Truppen nahe der Front in der Region Dnipropetrowsk. Ukrainian Presidential Press Ser / Reuters
17.05.2026 um 19:55
Sowohl in Russland als auch der Ukraine sind am Wochenende durch Drohnen Menschen getötet worden. Die Hauptstadt Moskau erlebte in der Nacht auf Sonntag den schwersten Angriff seit mehr als einem Jahr. In der gleichnamigen Oblast starben drei Menschen, hieß es. Ein weiteres Todesopfer gab es in Belgorod. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach von einer „vollkommen gerechtfertigten“ Vergeltungsmaßnahme für Moskaus jüngsten Angriff auf die Ukraine mit 24 Toten.
In der Ukraine starben in der Region Sumy zwei Männer, in deren Auto eine Drohne explodierte. Oleh Hryhorov, Leiter der regionalen Militärverwaltung von Sumy, teilte mit, zwei Männer im Alter von 45 und 47 Jahren hätten in der Gemeinde Putyvl Teile einer Drohne gefunden. Sie wollten diese in einem Fahrzeug abtransportieren. Es kam aber zu einer tödlichen Detonation. Ebenfalls in der Region Sumy wurde ein 12-Jähriger verletzt, der einen „unbekannten Gegenstand“ nach Hause genommen hatte, wo dieser explodierte. Der Bub wurde mit Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert.
Am Mittwoch und Donnerstag hatte Russland einen der längsten und schwersten Luftangriffe auf die Ukraine durchgeführt. Allein in Kiew wurden 24 Tote aus einem zerstörten Wohnblock geborgen.
Bei einem Drohnenangriff in der Region Moskau seien ein indischer Arbeiter getötet und drei weitere verletzt worden, teilte die indische Botschaft in Moskau mit. Vertreter der Botschaft seien vor Ort gewesen und hätten die Verletzten im Krankenhaus besucht. Man arbeite mit den örtlichen Behörden zusammen, um den Arbeitern die nötige Hilfe zukommen zu lassen.
Der Gouverneur der Oblast Moskau, Andrej Worobjow, sagte wiederum, eine Frau sei ums Leben gekommen, als ein Wohnhaus in Chimki nördlich der Hauptstadt getroffen worden sei. Rettungskräfte suchten in den Trümmern nach einer weiteren Person. Zwei Männer seien im Dorf Pogorelki im Bezirk Mytischtschi getötet worden. Mehrere Wohnhochhäuser und Infrastruktureinrichtungen seien beschädigt worden, sagte Worobjow.
Russischen Behörden zufolge war Moskau in der Nacht Ziel des größten ukrainischen Drohnenangriffs auf die Hauptstadt seit mehr als einem Jahr. Die Luftabwehr habe seit Mitternacht 81 Drohnen zerstört, die auf Moskau zugesteuert seien, berichtete die staatliche russische Nachrichtenagentur TASS unter Berufung auf Bürgermeister Sergei Sobjanin. Sobjanin erklärte, zwölf Menschen seien verletzt worden, vor allem in der Nähe des Eingangs zur Moskauer Ölraffinerie. Drei Häuser seien beschädigt worden. Die „Technik“ der Raffinerie sei aber nicht in Mitleidenschaft gezogen worden, fügte der Bürgermeister hinzu.
Eine Fahrzeughalle des von Russland besetzten ukrainischen Kernkraftwerks Saporischschja ist nach russischer Darstellung von ukrainischer Artillerie getroffen worden. Das Gebäude sowie einige darin abgestellte Busse seien dabei beschädigt worden, Verletzte habe es nicht gegeben, teilte die Verwaltung des Kraftwerks mit. Zudem sei eine ukrainische Drohne beim Anflug auf das Kraftwerk von der Flugabwehr zerstört worden. Von ukrainischer Seite gab es dazu keine Erklärung.
Das mit sechs Reaktoren und einer Nennleistung von 6.000 Megawatt größte Atomkraftwerk Europas steht seit März 2022 unter russischer Kontrolle. Es produziert derzeit keinen Strom. Mehrere ukrainische Rückeroberungsversuche scheiterten. Ein Team der internationalen Atombehörde IAEA ist ständig vor Ort, um die Lage zu beobachten und durch seine Präsenz einen Atomunfall zu verhindern.
Insgesamt seien von russischen Streitkräfte in der Nacht auf Sonntag 556 ukrainische Drohnen abgewehrt worden, hieß es. Betroffen waren laut Russlands Verteidigungsministerium der Raum Moskau und die besetzte Schwarzmeer-Halbinsel Krim. Sollten die unabhängig nicht überprüfbaren Angaben zutreffen, würden sie auf einen großen Angriff der Ukraine hindeuten.
Die Ukraine griff in der Nacht auch die russisch besetzte Marinestadt Sewastopol auf der Halbinsel Krim an und beschädigte nach Behördenangaben mehrere Wohnblocks und Häuser. Zudem hätten Trümmer einer abgeschossenen Drohne eine Hochspannungsleitung getroffen, wodurch Stromausfälle verursacht worden seien, schrieb der Verwaltungschef der Stadt, Michail Raswoschajew, auf der Plattform Telegram. Das Kraftwerk der Stadt sei aber nicht getroffen worden.
Insgesamt seien 25 Drohnen über mehreren Stadtteilen und dem Schwarzen Meer abgeschossen worden, schrieb Raswoschajew weiter. Verletzt worden sei nach vorläufigen Informationen niemand. Auch diese Angaben konnten zunächst nicht unabhängig überprüft werden.
Russland hatte die ukrainische Halbinsel 2014 annektiert. Vor mehr als vier Jahren startete Russland eine großangelegte Invasion der Ukraine. In dem seither andauernden Krieg greift die Ukraine unter anderem mit Drohnen auch immer wieder russische Ziele auf der Krim an.
Russland beschießt das Hinterland des Nachbarn systematisch. Bei den Attacken kommen in der Ukraine fast täglich Zivilisten zu Tode; Wohnhäuser und für die Bewohner lebenswichtige Infrastruktur werden zerstört. (APA/Reuters)