Erster Lokalaugenschein Jeff Landrys in der Arktis. Die USA bauen ihre Militärpräsenz auf der Insel aus.
Jeff Landry, Gouverneur von Louisiana und Grönland-Emissär Donald Trumps. Imago
18.05.2026 um 18:47
von
Thomas Vieregge
„Look, listen learn“: Die Devise, die US-Sonderbotschafter Jeff Landry nach seiner Ankunft in der grönländischen Hauptstadt Nuuk am Sonntag ausgab, klang viel diplomatischer als die Töne, die Donald Trump und seine Regierung im Jänner angeschlagen hatten. Der US-Anspruch auf Grönland samt militärischen und ökonomischen Drohgebärden hatte zur Belastungsprobe in der Nato und den transatlantischen Beziehungen geführt.
Beim Weltwirtschaftsforum in Davos sprach der US-Präsident von einem „großen, schlecht regierten Stück Eis“, und erst die Vermittlung von Nato-Chef Mark Rutte wendete eine Eskalation zwischen Washington und Kopenhagen sowie EU-Partnern ab. Der Iran-Krieg drängte den Konflikt in der Arktis in den Hintergrund. Die Spannungen hätten abgenommen, der Wunsch nach einer US-Kontrolle und der Besitzanspruch seien aber nicht zurückgegangen, konstatierte Jens-Frederik Nielsen nach einem ersten Gespräch mit Landry. Der Dialog sei inzwischen von Respekt getragen. In einer Arbeitsgruppe hätten beide Seiten Fortschritte über die regionale Sicherheit erzielt, betonte der grönländische Premier.
So erwägen die USA den Ausbau ihrer militärischen Präsenz auf der Insel, wozu ihnen ein Abkommen mit Dänemark aus dem Jahr 1951 auch freie Hand lässt. Nach Plänen des US-Nordkommandos wollen sie drei weitere Militärstützpunkte errichten, darunter zwei ehemalige US-Basen im Süden und Südwesten mit bestehenden Landebahnen und eher desolaten Infrastruktur wiederaufbauen. Im Zweiten Weltkrieg und im Kalten Krieg waren bis zu 10.000 US-Soldaten auf Grönland stationiert. Derzeit sind in Pituffik im Nordwesten der Insel nur rund 150 US-Soldaten permanent im Einsatz.
Die Trump-Regierung verfolgt das ambitionierte Ziel, über dem US-Territorium und Grönland einen „Golden Dome“, einen Raketenschutzschirm, zu spannen. „Nicht provokativ, sondern präventiv“ sei das US-Kalkül, schrieb Landry in einem Gastkommentar in der „New York Times“. Die USA müssten die Regeln in einer „der strategisch wichtigsten Regionen der Welt“ bestimmen. Die komplexe und kostspielige Erschließung von Ressourcen – Mineralien und seltenen Erden – ist derzeit nicht von primärem Interesse. Doch Landry sondiert bei seiner ersten Reise als Sonderbotschafter auch geschäftliche Perspektiven.
Wegen der Koalitionsverhandlungen nach der Neuwahl in Dänemark vor zwei Monaten sind indessen die Gespräche zwischen den USA und Dänemark ins Stocken geraten. Mette Frederiksen, die sozialdemokratische Premierministerin, scheiterte zunächst mit ihrem Versuch der Regierungsbildung. König Frederik übertrug das Mandat auf Troels Lund Poulsen, ihren rechtsliberalen Koalitionspartner.
Sowohl Frederik als auch Frederiksen hatten zuletzt die Besuchsdiplomatie in Grönland demonstrativ verstärkt. Auch die EU unterstrich das Versprechen für ein aktiveres Engagement in der Arktis mit Militärübungen und der Bestellung des finnischen Ex-Premiers Jyrki Katainen zum Sonderbotschafter.
Die erste Visite Landrys, ursprünglich für März geplant, gilt nun der Teilnahme an einer Wirtschaftskonferenz in Nuuk. Der republikanische Gouverneur von Louisiana betritt diplomatisches Neuland. Angeblich hat Trump den 55-Jährigen vor einem halben Jahr nur deshalb zum ersten US-Sonderemissär für Grönland ernannt, weil er bei einem Abendessen für die Gouverneure im Weißen Haus am Nebenplatz saß.
Mit Grönland oder mit Diplomatie hatte der Jurist aus dem tiefen Süden der USA bisher nichts zu tun, und so erschöpften sich auch seine ersten Medienauftritte in Witzen über das Jagen und Fischen im Polarsommer. Schon im Jänner gab Trump Landry die Botschaft auf den Weg: „Jeff, du musst den Grönländern sagen, wie sehr ich sie liebe. Du musst ihnen die wirtschaftlichen Möglichkeiten aufzeigen. Ich möchte Grönland wieder großartig machen.“ Und schließlich: „Finde soviele Freunde, wie du kannst.“ Die Grönländer stehen den US-Avancen allerdings weiterhin skeptisch gegenüber. Der Tenor lautet: „Offen fürs Geschäft. Wir stehen aber nicht zum Verkauf.“ Außenministerin Mute Egede beharrte: „Wir haben unsere roten Linien.“