Vermögensaufbau. Wie groß sind die Unterschiede bei der Geldanlage über einen vergleichsweise kurzen Zeitraum von vier Jahren? Ein Rückblick.
08.06.2026 um 07:01
Symbolbild: Eine „Schatzkiste“ zum Thema Bargeld bei einer Ausstellung im technischen Museum Wien. Die Presse / Clemens Fabry
von
Susanne Bickel
Im Juni 2022, also vor vier Jahren, startete diese Kolumne mit einer Frage: Wie lassen sich 10.000 Euro einfach und gewinnbringend anlegen? Mit dieser Ausgabe endet nun die Reihe „Young Finance“, ein guter Anlass also, um einen Blick zurückzuwerfen: Was wäre aus diesem Geldbetrag geworden? Dabei geht es aber nicht darum, die altbekannte Fear of Missing Out zu schüren, also die Angst, etwas verpasst zu haben. Vielmehr soll dieser Rückblick zeigen, wie groß die Unterschiede bei der Geldanlage bereits über einen vergleichsweise kurzen Zeitraum ausfallen kann.
Vielleicht ist dieser Rückblick auch der passende Anlass, um die kommenden Jahre aktiv für den eigenen Vermögensaufbau zu nutzen. Denn die Inflationsrate ist nach wie vor höher als erwünscht und der Kaufkraftverlust damit real. Die Anlageformen sind bewusst niederschwellig gehalten, verglichen werden ETF, Anleihen, Gold und das Sparbuch. Denn langfristiger Vermögensaufbau muss alles andere als spektakulär sein. Speziell die vergangenen vier Jahre hätten aber kaum turbulenter sein können, allein wegen der hohen Inflation und den Zinsen, die nach Jahrzehnten wieder zurückgekehrt sind. Außerdem dominierten politische Schlagzeilen – speziell während des Zollkonflikts, ausgehend von den USA – das Börsenumfeld. Laut Statistik Austria stiegen die Verbraucherpreise zwischen Juni 2022 und April 2026 um insgesamt 18,4 Prozent. Damit mussten Geldanlagen nicht nur Rendite erwirtschaften, sondern zunächst einmal den Kaufkraftverlust ausgleichen.
Aktien und ETF
Gut, einzelne Aktien zu vergleichen wäre an dieser Stelle wohl eher unfair. Stattdessen lohnt sich ein Blick auf breit gestreute ETFs. Der bekannteste ist hier wohl der MSCI World. Wer die 10.000 Euro im Juni 2022 in einen solchen ETF investiert und damit eine durchschnittliche Rendite von zwölf Prozent pro Jahr (so hoch war sie in den vergangenen fünf Jahren) erzielt hätte, würde heute über rund 15.700 Euro verfügen. Nach Abzug der Inflation entspräche dies einer Kaufkraft von rund 13.000 Euro. Real wäre das Vermögen damit (nach Abzug der Kapitalertragsteuer) um knapp 2000 Euro beziehungsweise rund 20 Prozent gewachsen, abzüglich der Kosten für das Investment. Grundsätzlich hätte es aber die Inflation deutlich geschlagen und die Kaufkraft erhöht.
Sparbuch
Es ist kaum verwunderlich, aber am schlechtesten schneidet das Sparkonto ab. Die einzige Anlageklasse, die noch schlechter ist, ist wohl das Girokonto. Zwar sind die Sparzinsen seit 2022 deutlich gestiegen, über den gesamten Zeitraum gerechnet wäre real aber ein Verlust entstanden. Wer im Juni 2022 die 10.000 Euro auf ein Sparbuch mit zwei Prozent Verzinsung pro Jahr gelegt hätte, hätte nach vier Jahren (nach zusätzlichem Abzug der Kapitalertragsteuer) rund 10.600 Euro. Inflationsbereinigt (die genannten 18,4 Prozent), entspräche das aber nur noch einer Kaufkraft von rund 9000 Euro. Real hätte das Ersparte also rund 1000 Euro beziehungsweise rund zehn Prozent an Wert verloren.
Anleihen und Gold
Wer die 10.000 Euro im Juni 2022 hingegen in österreichische Staatsanleihen investiert und damit eine durchschnittliche Rendite von 3,5 Prozent pro Jahr erzielt hätte, würde heute über rund 11.500 Euro verfügen. Nach Abzug der Kapitalertragsteuer verblieben davon rund 11.100 Euro. Inflationsbereinigt entspräche dies einer Kaufkraft von rund 9350 Euro. Real hätte das Vermögen damit um rund 650 Euro beziehungsweise etwa 6,5 Prozent an Wert verloren. Der Kaufkraftverlust wäre aber trotzdem geringer ausgefallen als beim Sparbuch.
Die wohl beste Anlageklasse der vergangenen vier Jahre war Gold: Wer die 10.000 Euro im Juni 2022 in physisches Gold investiert hätte, hätte dafür rund 5,6 Feinunzen Gold erwerben können. Beim heutigen Goldpreis wären diese Bestände rund 21.800 Euro wert.
Auch nach Abzug der Inflation läge die Kaufkraft noch bei rund 18.500 Euro. Real wäre das Vermögen damit um rund 85 Prozent gewachsen. Allerdings waren die vergangenen Jahre bei Gold eine Ausnahmesituation, dass der Preis noch einmal so stark steigt, ist sehr unwahrscheinlich. Beim Verkauf ist der Gewinn nach einer Haltedauer von mehr als einem Jahr steuerfrei.
Auf einen Blick
Liebe Leserinnen, liebe Leser! Die Serie „Young Finance“ endet nun mit dieser Ausgabe. Alle bisherigen Artikel können Sie weiterhin unter diepresse.com/wirtschaft/youngfinance nachlesen. Denn der wichtigste Schritt beim Vermögensaufbau ist nicht nur die Auswahl der Anlage, sondern überhaupt anzufangen. Viel Erfolg an der Börse!