Die Politikerin der Radikalen Partei engagierte sich bereits in jungen Jahren für Bürgerrechte und
gesellschaftliche Reformen. Bei Bonino war 2015 ein kleinzelliges Bronchialkarzinom festgestellt worden. 2023 hatte die Politikerin aber erklärt, die Erkrankung überwunden zu haben.
Archivbild: Emma Bonino im Juni 2024. IMAGO/Francesco Fotia / Avalon
11.09.2026 um 13:19
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Die italienische Politikerin und ehemalige EU-Kommissarin Emma Bonino ist am Freitag im Alter von 78 Jahren in Rom gestorben. Bonino war am Montag in das römische Krankenhaus Santo Spirito eingeliefert worden. Am Donnerstag verließ sie die Intensivstation und wurde in eine private Einrichtung verlegt. Ihr Zustand war zuletzt als „kritisch“ bezeichnet worden. Bei Bonino war 2015 ein kleinzelliges Bronchialkarzinom festgestellt worden.
2023 hatte die Politikerin erklärt, die Erkrankung überwunden zu haben. Im Oktober 2024 musste sie jedoch wegen Atemproblemen erneut intensivmedizinisch behandelt werden.
Bonino gehörte seit Jahrzehnten zu den bekanntesten Persönlichkeiten der italienischen Politik. Die 1948 im piemontesischen Bra geborene Politikerin engagierte sich bereits in jungen Jahren für Bürgerrechte und gesellschaftliche Reformen. Besonders eng verbunden ist ihr Name mit der Radikalen Partei (PRI) und ihrem langjährigen Einsatz für Frauenrechte, Menschenrechte und internationale Entwicklungszusammenarbeit.
Auch auf europäischer Ebene war Bonino seit den 1970er Jahren politisch aktiv. Sie wurde mehrfach in das Europäische Parlament gewählt und übernahm später verschiedene Funktionen in italienischen Regierungen. Unter anderem war sie Außenministerin sowie Ministerin für internationalen Handel und europäische Angelegenheiten.
Internationale Bekanntheit erlangte Bonino auch durch ihre Arbeit für die Vereinten Nationen. Als EU-Kommissarin war sie unter anderem für humanitäre Hilfe, Fischerei und Verbraucherschutz zuständig. In dieser Funktion setzte sie sich für internationale Hilfsprogramme und den Schutz der Menschenrechte ein. Zudem galt sie als eine der prominentesten italienischen Befürworterinnen einer stärkeren europäischen Integration.
Boninos politische Laufbahn war dabei nicht auf ein einzelnes Lager beschränkt. Im Laufe der Jahre arbeitete sie mit unterschiedlichen politischen Kräften zusammen und blieb auch außerhalb klassischer Parteistrukturen eine einflussreiche Stimme. Ein zentraler Bestandteil ihres politischen Wirkens war der Kampf für individuelle Freiheitsrechte. Bereits in den 1970er Jahren engagierte sie sich für die Legalisierung des Schwangerschaftsabbruchs in Italien. Später setzte sie sich unter anderem für die Rechte von Frauen, Geflüchteten und Minderheiten sowie gegen die Todesstrafe ein.
Auch gesundheitspolitische Themen spielten in ihrem öffentlichen Leben eine wichtige Rolle. Bonino sprach wiederholt offen über ihre eigene Krebserkrankung und die damit verbundenen medizinischen Behandlungen. Damit trug sie dazu bei, Krankheiten und gesundheitliche Probleme stärker aus der privaten Sphäre in die öffentliche Debatte zu bringen. Trotz wiederholter gesundheitlicher Rückschläge blieb Bonino politisch aktiv. Ihre direkte Sprache, ihre Unabhängigkeit und ihre Bereitschaft, auch unpopuläre Positionen zu vertreten, machten sie zu einer einzigartigen Figur der italienischen Politik.
Italiens rechte Regierungschefin Giorgia Meloni bezeichnete Bonino auf der Nachrichtenplattform X als „starke und unverwechselbare Stimme der italienischen Politik“. Ihre politischen Ansichten seien zwar sehr unterschiedlich gewesen, dennoch erkenne sie Boninos Bedeutung und Rolle im öffentlichen Leben Italiens an. Meloni sprach Boninos Angehörigen ihr Mitgefühl aus.
EU-Parlamentspräsidentin Roberta Metsola schrieb ebenfalls bei X: „Europa, für das sie gekämpft hat, wird sie vermissen.“ Bonino habe nie gewartet, sondern sich stets entschieden, voranzugehen und anderen den Weg zu weisen. (APA)