Fieber, Kopfweh, Müdigkeit. Die Symptome können auf viele Krankheiten hindeuten. Peter Stafford wollte sichergehen, ließ sich testen. Der US-amerikanische Chirurg lebte mit seiner Frau und vier Kindern in der Ein-Millionen-Einwohnerstadt Bunia im Osten der Demokratischen Republik Kongo (DRK), wo er im Nyankunde Hospital arbeitete. Am Montag veröffentlichte die christliche Missionsorganisation, für die er tätig war, sein Testresultat. Positiv, Ebola, Variante Bundibugyo. Laut Statistik sterben mehr als ein Drittel der Menschen, in denen die Krankheit ausbricht.
Es ist dieses Jahr genau ein halbes Jahrhundert her, seit die ersten Ebolaviren dokumentiert wurden: 1976 im Sudan und in der DRK, die damals noch Zaire hieß. Das Virus wird vermutlich von Fledermäusen verbreitet. Bricht die Krankheit im Menschen aus, sterben zwischen 25 und 90 Prozent der Patienten, je nach Variante und Behandlung. Sechs Arten sind bekannt, drei von ihnen haben zu größeren Krankheitsausbrüchen bei Menschen geführt: Bundibugyo, Sudan und Zaire. Nur für Letztere wurde bis heute eine Impfung entwickelt – und diese erst vor wenigen Jahren.
Peter Stafford und sechs weitere US-Amerikaner wurden aus der DRK ausgeflogen, um sie bestmöglich zu behandeln. Sie werden an einem nicht bekannten Ort in Deutschland versorgt und isoliert. Bei den Menschen, die in der Region Afrikas leben, in der sich die Krankheit verbreitet, herrscht Nervosität, wie internationale Medien berichten. Mehr als 130 Menschen sind tot, mehr als 500 könnten sich infiziert haben. Dazu kommt eine hohe Dunkelziffer, denn das Grenzland zwischen der DRK, Uganda und dem Südsudan ist schwer zugänglich und medizinisch unterversorgt.
Am Dienstag wollte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bei einem Treffen in Genf erste Schritte setzen, um den aussichtsreichsten Kandidaten für einen Impfstoff zu finden, der auch gegen Bundibugyo wirkt. Die Hoffnung: Ein Impfstoff, der gegen die gefährliche Ebola-Variante schützt.
Dass es diesen noch nicht gibt, hat mehrere Gründe: Ebolaviren werden über den Austausch von Flüssigkeiten zwischen Menschen übertragen. Wer schwer erkrankt und ansteckend ist, lässt sich gut erkennen. In ausgebauten Gesundheitssystemen lassen sich die Infektionsketten dadurch rasch brechen. Größere Ausbrüche waren über Jahrzehnte hinweg eher selten. Das wiederum verminderte zum einen den Druck, in die kostspielige Entwicklung von Impfstoffen zu investieren. Zum anderen fehlten Gelegenheiten für klinische Studien, die für eine Zulassung nötig sind.
Bis im Jahr 2014 eine Seuche ausbrach, die heute als „westafrikanische Epidemie“ bezeichnet wird. In Guinea, Liberia und Sierra Leone starben mehr als 11.300 Menschen an Ebola. Abertausende infizierten sich bei traditionellen Begräbnissen, wo sie in Kontakt mit noch ansteckenden Leichnamen kamen. Die WHO nahm die dramatische Erfahrung zum Anlass, die Entwicklung von Impfstoffen voranzutreiben. Fünf Jahre später, im November 2019, qualifizierte die UN-Gesundheitsorganisation einen ersten Impfstoff und experimentelle Medikamente gegen Ebola.
Heute gibt es zwei Impfmittel, die verhindern, dass eine Infektion zur Erkrankung führt: Das eine heißt Ervebo und benötigt nur eine Spritze. Das andere ist Zabdeno und Mvabea und wird in zwei Dosen verabreicht. Die internationale Impfallianz Gavi gibt an, seit dem Jahr 2021 seien potenziell größere Ausbrüche mit raschen Impfkampagnen eingedämmt worden. Als im Herbst 2025 in der DRK mehrere Infektionen registriert wurden, ließ die Regierung rund 45.000 Menschen impfen.
Der Haken: Der Impfstoff hilft nur gegen die Zaire-Variante, die sich im Jahr 2014 in Westafrika verbreitete. Laut der Impfallianz Gavi gab es wegen der eher selten auftretenden Ausbrüche der Sudan- und Bundibugyo-Varianten „nicht denselben Impuls, Impfstoffkandidaten durch klinische Studien zu bringen“. Bundibugyo wurde überhaupt erst 2007 entdeckt.
Laut einem Bericht der „Financial Times“ könnten in der Entwicklung befindliche Impfstoffe nun beim Bundibugyo-Ausbruch in der DRK und Uganda getestet werden. Dafür müssten die Regierungen der Länder zustimmen. Auch künstliche Intelligenz sollte bei der Suche nach einem Impfstoff helfen, sagte die US-Amerikanerin Nicole Lurie, die die „Coalition for Epidemic Preparedness Innovations“ (Cepi) leitet. Die Stiftung wurde als Reaktion auf die „westafrikanische Epidemie“ geschaffen und soll „die Entwicklung von Impfstoffen beschleunigen“, indem sie Gelder aufstellt.
Wie lange es dauert, bis ein Impfstoff gefunden und von der WHO für sicher erklärt wird, ist offen. Die Impfung der Bevölkerung in den betroffenen Gebieten wäre herausfordernd. Der Osten der DRK ist seit Jahren ein Konfliktgebiet, in dem sich Milizen und Regierungssoldaten belauern. Eine Viertelmillion Menschen befindet sich auf der Flucht.
Einer der Gründe, warum sich das Virus in der Region ausgebreitet hat, ist laut dem Gesundheitsminister der DRK, Samuel Roger Kamba, ein Begräbnis. Ende April entwickelte eine Nonne in der Stadt Bunia erste Symptome, sie starb. Bei ihrer Aufbahrung sollen viele Menschen ihren Leichnam berührt haben.