Die Hisbollah hatte Israel mit drohnen angegriffen. Israel hat zudem zur Evakuierung von 29 Orten im Libanon aufgerufen.
Rauch steigt auf nach einem israelischen Angriff am Samstag auf Mount Ali al-Tahir in Nabatieh, Libanon Imago / Ramiz Dallah
14.06.2026 um 13:02
Nach Angriffen der libanesischen Hisbollah-Miliz auf den Norden Israels hat die israelische Luftwaffe erneut Ziele in Vororten der libanesischen Hauptstadt Beirut angegriffen. Es seien „Terrorziele“ der Hisbollah in den als Dahiyeh bekannten südlichen Vororten beschossen worden, hieß es in einer gemeinsamen Mitteilung des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu und des Verteidigungsministers Israel Katz.
„Der Angriff erfolgte als Reaktion auf den Beschuss israelischen Territoriums durch die Hisbollah“. Auch die israelische Armee teilte mit, es sei Hisbollah-Infrastruktur in Dahiyeh angegriffen worden. Arabische Fernsehsender zeigten Bilder eines Luftangriffs in dem Gebiet. Dabei stiegen hohe Rauchwolken auf. Anrainer berichteten örtlichen Medien zufolge von mindestens zwei Explosionen. Es gab zunächst keine Informationen zu möglichen Opfern.
Die israelische Armee hatte zuvor die Menschen in 29 Orten im Süden des Libanon dazu aufgerufen, sich wegen geplanter Angriffe in Sicherheit zu bringen. Der arabischsprachige Armeesprecher Avichay Adraee gab am Sonntag im Onlinedienst X zwei aufeinanderfolgende Warnungen aus, zunächst eine für 13 Orte im Süden des Libanon, anschließend für 16 weitere Orte nördlich des Flusses Sahrani. Zuvor hatte die proiranische Hisbollah-Miliz den Norden Israels mit Sprengstoff-Drohnen angegriffen.
Das israelische Militär berichtete am Sonntag über zwei Einschläge nahe der Grenze zum Libanon. Dabei sei niemand verletzt worden. Infolge der Angriffe hatten Warnsirenen in Orten an der Nordgrenze geheult. Das israelische Nachrichtenportal „ynet“ berichtete, eine Drohne sei im Bereich des Grenzorts Schlomi eingeschlagen. Israel warf der proiranischen Hisbollah-Miliz daraufhin einen Verstoß der Waffenruhe vor. Von der Hisbollah gab es zunächst keine Reaktion.
Den Angriff beschrieb der rechtsradikale israelische Finanzminister Bezalel Smotrich auf der Onlineplattform X als Test für die „Dahiyeh-Doktrin“ von Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu. Der Begriff bezeichnet eine israelische Militärdoktrin, die den Einsatz massiver Gewalt gegen zivile Infrastruktur und Zivilisten vorsieht. Dahiyeh sind die südlichen Vororte von Beirut, die als Hochburg der Hisbollah gelten. Dort leben auch viele Zivilisten. Vor einer Woche hatte Israel die Vororte als Reaktion auf Hisbollah-Raketenfeuer auf den Norden des Landes angegriffen. Daraufhin reagierte der Iran mit Raketenangriffen auf Israels Norden.
Smotrich forderte von Netanyahu, „noch heute“ Gebäude in Dahiyeh zu zerstören. „Wir befinden uns in entscheidenden Tagen für die Gestaltung der Region auf viele Jahre hinaus“, schrieb er. „Wir haben den Bewohnern des Nordens Sicherheit versprochen – und dieses Versprechen müssen wir einhalten!“
Der mit der Hisbollah verbündete Iran will als Teil eines Rahmenabkommens mit den USA zur Beendigung des Iran-Kriegs auch eine Waffenruhe im Libanon erreichen. Israel ist jedoch strikt gegen eine solche Verbindung der beiden Fronten. Im Libanon strebt Israel eine Zerstörung der Hisbollah und eine Friedensregelung mit der Regierung an. Die Hisbollah fordert unter anderem einen vollständigen Abzug israelischer Bodentruppen aus dem Land.
Israels Armee und die Hisbollah-Miliz greifen sich immer wieder gegenseitig an. Am Donnerstag musste etwa ein Konvoi mit Hilfsmittellieferungen für drei christliche Dörfer im Südlibanon aufgrund von Schusswechseln seine Route ändern. Der Konvoi aus 45 Lastwagen und Fahrzeugen sollte Lebensmittelhilfen, Medikamenten und Treibstoff transportieren. Darüber berichtete die Katholische Presseagentur Kathpress am Sonntag.
Betroffen von dem Vorfall war auch der Apostolische Nuntius im Libanon, Erzbischof Paolo Borgia, der den Konvoi begleitete. „Wir befinden uns in einer Kriegssituation, aber wir werden den Menschen weiterhin helfen“, bekräftigte der Nuntius gegenüber Radio Vatikan. (APA/AFP/dpa)