Influencer, die mit Blitz Fotoshootings abhalten, oder der Geruch von Marihuana, der die Spieler stört: Die US Open sollen nicht Schule machen, Wimbledon hat schon reagiert.
Modeallmächtige Anna Wintour, ihre Tochter Bee Shaffer und Martha Stewart (vorn) in den Rängen der US Open 2026. Imago / Dylan Travis/abaca
07.09.2026 um 17:01
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Der vierte Grand Slam des Jahres ist zwar berüchtigt dafür, so laut und wild zu sein, dass er die Teilnehmer nicht nur an ihre sportlichen, sondern auch die nervlichen Grenzen bringt. Die aktuelle Ausgabe der US Open, die derzeit in New York stattfinden, dürfte aber neue Dimensionen erreichen und ist, Stichwort „Creator Culture“, ganz ein Kind ihrer Zeit. Dass die Topgesetzte Aryna Sabalenka ihr Spiel unterbrechen ließ, weil von den Rängen Marihuana-Geruch herunterwehte (der Genuss ist in New York legal), gehört beinah zum normalen Treiben in Flushing Meadows. Dass Influencer-Fotoshootings die Spieler stören, bricht aber endgültig mit der Etikette bei Sportgroßveranstaltungen.
Coco Gauff, im Siegestaumel, begrüßt das Interesse neuer Zuschauer. Imago / John Angelillo
Oft sind es die Schiedsrichter, die eingreifen müssen, wenn das Publikum zu laut ist, wenn zu viel Bewegung auf den Gängen stattfindet oder neuerdings eben, wenn Instagram- oder TikTok-Influencer mit ihrer Entourage für Gruppenfotos oder Videoaufnahmen aufstehen, schreien und Blitzlicht verwenden. Das verhaltene „Quiet please“, wie man es von Wimbledon kennt (wo es auch seine Wirkung entfaltet), ist in so einer Extremsituation dann nicht mehr so wirksam.
Naomi Osaka verteidigt in New York ihren Ruf als Modekönigin der Courts und zeigt sich milde mit Content Creators. Imago / John Angelillo
Die Spielerinnen und Spieler machen offenbar aber doch ganz gute Miene zum garstigen Spiel. Sowohl Naomi Osaka, Modekönigin unter den Tennis-Assen, als auch Coco Gauff meinten in ihren Pressekonferenzen, auf das Influencer-Treiben angesprochen, es sei an sich begrüßenswert, weil es dem Tennissport ein neues Publikum bescheren könnte.
Allerdings plädierte Gauff auch dafür, dass Menschen sich mit der Etikette und den Gepflogenheiten eines Sports vertraut machen, ehe sie vor Ort ein Match live anschauen. Rücksicht den Sportlerinnen und Sportlern gegenüber sollte sich von selbst verstehen – auch der Großteil des Publikums, im Besitz teurer Karten, ist aber vielleicht nicht gerade angetan.
In Wimbledon setzt man auch 2027 auf das Motto „Quiet please“. APA / AFP / Adrian Dennis
Anders sieht man die Chose wenig überraschenderweise im ehrwürdigen Rasentennisclub in Wimbledon: Das wilde Treiben in Übersee beäugend, ließ man die Welt wissen, dass man nicht gedenke, die Content-Creator-Mode mitzubedienen. Ringlichter, so sie auf den Rängen zu sehen seien, würde man außerdem konfiszieren. Da ja nicht nur Sportveranstaltungen, sondern auch der Kulturbetrieb laufend auf der Suche nach neuen Publikumskreisen sind, kann man sich, nach New York schielend, nur wünschen, dass nicht auch seriöse Theater bald Influencer-Horden in ihre Logen bitten.
Kiffen und Blitzlichtgewitter in der Staatsopernloge, das wäre ja wohl nicht einmal während des Opernballs eine stimmige Kombi.