
Schwer vermittelbare Hunde blockieren die begrenzten Plätze in Tierheimen oft auf Jahre – Tendenz steigend. Dazu tragen auch schikanöse Bestimmungen für Halter bei: So etwa gelten in Wien für „Listenhunde“ zwei Prüfungen sowie lebenslanger Leinen- und Maulkorbzwang. Das erhöht die Sicherheit kaum, und vor allem bei Hitze sind knappe Maulkörbe schlicht Tierquälerei.
Im TierQuarTier, dem Tierheim der Stadt Wien, werden ständig um die 45 schwer vermittelbare Hunde für länger als ein Jahr verwahrt. Sie verursachen erheblichen Pflege- und Trainingsaufwand, um wieder vermittelbar zu werden. Zudem bestimmt das Gesetz, Langzeitgäste unabhängig von ihrer Größe auf mindestens 15 m2 unterzubringen. Mit manchen dieser Hunde können selbst erfahrene Pflegerinnen nicht ohne Risiko umgehen. Was also tun? Lebenslange Einzelhaft? Wäre Euthanasie nicht menschlicher?
Dazu gibt es seit Juni ein von der Stadt Wien beauftragtes Gutachten eines respektablen Konsortiums der VetMedUni unter Federführung des Ethikers Herwig Grimm, betitelt: „Rechtliche, ethische und praktische Klarheit für den Umgang mit schwer und unvermittelbaren Hunden“. Im Kern geht es um „vernünftige Gründe“ für das Töten – etwa, dass Tiere nicht handhabbar sind oder aber mit „vertretbarem“ (Trainings-)Aufwand nicht resozialisiert werden können. Letztlich geht es also darum, gesunde, aber offenbar anderweitig lebensunwerte Hunde aus wirtschaftlichen Gründen zu beseitigen. Allein aufgrund des großen Drucks durch die ohnehin knappen Mittel wird in der Praxis die Schwelle für das Töten solcher Hunde sinken – es könnten Dämme brechen.
Höchst problematisch ist auch, dass Tötungsentscheidungen durch eine Kommission geheim fallen sollen (typisch Wien?). So lautet §1, Abs. 8. der Geschäftsordnung: „Alle Beratungen, Unterlagen und Beschlüsse der Kommission unterliegen der Vertraulichkeit. Es gilt für alle Teilnehmer der Kommission eine Verschwiegenheitspflicht.“ Man konstruiert also schon wieder ein „geschlossenes System“ – trotz aller negativen Erfahrungen damit. Missbrauch im Sinne „großzügiger“ Entscheidungen scheint programmiert.
Sorry, aber auch aufgrund des schändlichen Umgangs mit missliebigen Wildtieren in Österreich werde ich immer allergischer gegen Töten als Problemlösungsstrategie. Man knallt Hunde ohnehin immer noch als „Raubzeug“ im Sinne der Jagdgesetze ab – nahezu nach Belieben. Angesichts der hohen Gewaltbereitschaft auch im zwischenmenschlichen Bereich ist eine weitere legale Möglichkeit des Tötens aus materiellen Gründen das Letzte, was unsere Gesellschaft braucht.
Und warum eigentlich sollen „vernünftige“ Tötungsgründe, welche für Menschen absolut tabu sind, für Hunde gelten? Keine ganz abwegige Frage zu einer Zeit, da Tierethiker das aus der Antike stammende anthropozentrische Weltbild gegen ein neues Bewusstsein der Mitgeschöpflichkeit tauschen – das wird ja auch von immer mehr Menschen so gesehen und gelebt. Das Töten von Hunden als Routine-Problemlösung angesichts knapper Mittel ist aus der Zeit gefallen, vor allem, solange viel zu wenig Aufwand in Resozialisierung investiert wird, wie auch in Vorsorgemaßnahmen, um „schwierige Hunde“ gleich gar nicht entstehen zu lassen.
Was würde wohl die Stifterin des Messerli-Instituts an der VetMed-Uni, Herta Messerli-Gentzke (1911–2014), zu diesem Gutachten sagen?
Der Autor
Dr. Mag. Kurt Kotrschal, Prof. Univ. Vienna i. R., Sprecher der AG Wildtiere am Forum Wissenschaft & Umwelt.
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