
Rund die Hälfte der Österreicher möchte im Alter in den eigenen vier Wänden wohnen (bleiben), auch wenn sie pflegebedürftig werden. Ein Wunsch, der angesichts der demografischen Entwicklung der Bevölkerung eigentlich eine Vielzahl von Angeboten und Projekten auf dem Immobilienmarkt hervorbringen sollte. In der Realität ist die Auswahl aber eher überschaubar. Bei drei ganz unterschiedlichen Projekten ist dennoch heuer im Frühling mit dem Bau begonnen worden.
Einer der wenigen Entwickler, der sich auf dieses Segment spezialisiert hatte – Silver Living – musste im Vorjahr Konkurs anmelden. Und auch sonst sind Immobilien, die sich auf die Bedürfnisse von Menschen in der zweiten Lebenshälfte konzentrieren, rar.
Eines davon setzt auf Eigentum, befindet sich in Peuerbach (OÖ) und hört auf den Namen Vevera. Bauträger ist die Pointinger Bau, die 13 Eigentumswohnungen errichtet, die den Bedürfnissen der heutigen „Best Ager“ ab 50 und „Active Seniors“ ab 65 gerecht werden sollen. Eine Gruppe, die man bei Pointinger als die neuen „Pioniere des Älterwerdens“ identifiziert hat: Menschen, die Wert auf bewusste Ernährung, Fitness und Wellness sowie ökologisches Wohnen legen.
Entsprechend ist die Anlage nachhaltig in Holzbauweise mit Gründach errichtet, werden Photovoltaik zur Stromerzeugung und eine Wärmepumpe für Heizung und Kühlung genutzt. Dazu soll es Stromanschlüsse für E-Fahrzeuge geben. Auch Fitnessraum mit Ergometer und Laufband, Wellnessbereich, Gemeinschafts-Grillplatz und Lobby sind barrierefrei.
Die rund 50 bis 90 m2 großen Wohnungen haben Balkone, Terrassen oder Gärten und beginnen bei knapp 256.000 Euro. Ferner können verschiedene Pakete dazugebucht werden, die bei 99 Euro monatlich für eine Art Concierge-Service beginnen, der sich um Wege, Reinigungsdienste oder das Blumengießen während des Urlaubs kümmert.
Schließen sich die neuen Eigentümer von mindestens fünf Einheiten zusammen, ist um 149 Euro pro Monat auch ein Dienstleistungspaket möglich, bei dem ausgebildete Personenbetreuer im Haus wohnen und auch in der Nacht für Notfälle erreichbar sind. „Im Hinblick auf eine hohe Lebenserwartung wächst das Service-Angebot parallel dazu mit“, sagt Bernhard Pointinger.
Auch im geförderten Mietbereich gibt es neue Konzepte, die Wohnformen während des Älterwerdens erkunden und umsetzen. Ruth Höpler, Projektassistentin am future.lab Research Center der TU Wien hat im Rahmen des internationalen Forschungsprojekt CO-HOPE das Projekt Kolokation Sonnwendviertel untersucht. „Der Verein hat bereits zwei Projekte realisiert, eines im Sonnwendviertel, wo auf einem Stockwerk eines achtstöckigen Gebäudes 15 Wohneinheiten kreisförmig um einen Gemeinschaftsbereich in der Mitte angeordnet sind“, erklärt Höpler.
Womit zum einen Privatsphäre gegeben sei, aber auch Nachbarschaft vorhanden. „Wenn etwa jemand krank ist und das in die WhatsApp-Gruppe schreibt, bringen die Mitbewohner Essen und kümmern sich umeinander“, nennt die Raumplanerin Beispiele. Aktuell haben die Arbeiten am nächsten Projekt begonnen, dem „Ildefonso-klimafit in die Zukunft“, in dem auf dem Baufeld sechs in Oberlaa bis 2027 oder 2028 eine neue Wohngruppe entstehen soll.
Bis ans Lebensende angelegt sind die Projekte des Vereins „Wohnen ohne Alterslimit“ (WOAL), der seine Konzepte Bauträgern zur Umsetzung zur Verfügung stellt.
Darin werden Elemente von Betreuung und Pflege im institutionellen Rahmen mit Wohnen in vertrautem Zuhause in sozialem Umfeld zusammengeführt. Im März wurde in Oberlaa mit dem Bau des neuesten WOAL-Projekts begonnen, einem Haus am Kurpark, in das ab 2028 rund 80 Personen in zwölf Wohngemeinschaften mit sechs oder sieben Bewohnern einziehen können.
Was Sie zum Thema Wohnen im Alter wissen sollten
Fakt 1: Platzbedarf sinkt. Der Platzbedarf sinkt vor allem bei Familien, wenn die Kinder ausziehen. Dazu kommt: Mehr Raum(pflege) macht auch mehr Mühe. Eine kleinere Wohnung mit überschaubarer Grünfläche ermöglicht längere Selbstständigkeit als ein großes Haus mit Garten. Wer kann, sollte aber an ein Zimmer für eine spätere Pflegekraft denken.
Fakt 2: Mobilität wird weniger. Drei Stufen in den Garten oder in die Garage – bei eingeschränkter Mobilität führen selbst kleine Hürden zu Problemen bis hin zur Nichtnutzbarkeit und damit zum Mobilitätsverlust. Bei Um- und Neubauten an Barrierefreiheit zu denken, erhöht die Benutzbarkeit in allen Lebenslagen, erhöht den Wert der Immobilie und beugt Leerstand vor.
Fakt 3: Betreuungsbedarf steigt. Je praktischer und passender die Umgebung, umso weniger Betreuung ist notwendig. Wenn doch Hilfe bei Mahlzeiten oder Körperpflege notwendig wird, profitiert auch mobile und stationäre Hilfe von Barrierefreiheit und der Möglichkeit, nahe zu wohnen – in einem Zimmer der Wohnung oder einem Best-Ager-Wohnprojekt.