Der Führungstreffer und vermeintliche K.o.-Schlag durch Riyad Mahrez in der 93. Minute hatte sich nicht angekündigt. Oder war seitens der Algerier alles genau so geplant?
Die 93. Minute in Kansas City: Mahrez trifft zum 3:2. Österreich stockt der Atem. Reuters / Pedro Nunes
28.06.2026 um 21:57
von
Christoph Gastinger
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Es lief die 93. Minute im Spiel zwischen Österreich und Algerien, als sich die rot-weiß-rote Abordnung im Kansas City Stadium im falschen Film wähnte. Nach einem 20-minütigen Ballgeschiebe hatten es die Algerier kurz vor Schluss tatsächlich noch einmal gewagt, einen schnellen Angriff zu lancieren. Die Österreicher waren zu diesem Zeitpunkt längst nur noch über den Rasen getrabt. Sie folgten dem Prinzip: Tut ihr uns nicht weh, tun wir euch nicht weh. Wie man sich täuschen kann.
Der Treffer von Riyad Mahrez traf das fahrlässig agierende ÖFB-Team mitten ins Herz. Die WM-Reise Österreichs wäre Augenblicke später auf eine besonders schmerzhafte Art zu Ende gegangen, hätte Sasa Kalajdzic die Geschichte dieses Spiels mit seinem Tor zum 3:3 in der 96. Minute nicht neu erzählt. Österreich hatte sich darauf verlassen, dass sich Algerien mit dem 2:2-Unentschieden zufrieden geben würde, dabei aber eine 44 Jahre alte Rechnung vergessen.
Die Schande von Gijón bei der WM 1982 – damals hatten Österreich und Deutschland zum Leidwesen der Algerier einen Nichtangriffspakt auf dem Feld geschlossen – ist in Algerien bis heute präsent. Es sind nicht nur die Älteren, die sich daran erinnern. Dieses unwürdige Spiel wirkt bei vielen bis heute nach, auch die jüngere Generation kennt die Erzählung. „Wir haben Gijón nicht vergessen. Die Mannschaft wollte sich dafür revanchieren“, erzählt ein algerischer Reporter der „Presse“ nach dem denkwürdigen Abend in Kansas City.
ÖFB-Verteidiger Lienhart war vorübergehend fassungslos. Reuters / Pedro Nunes
Die Revanche wäre beinahe geglückt. Ein Ausscheiden Österreichs hätte für die Algerier einen besonders süßen Beigeschmack gehabt. Das ÖFB-Team hatte sich ab der 70. Minute in Sicherheit gewähnt. Wenn man es sich aussuchen kann, wann man zum vermeintlichen Siegtreffer trifft, dann am liebsten knapp vor Abpfiff, damit der Gegner möglichst nicht mehr darauf reagieren kann. Mahrez‘ später Treffer hatte dieses Vorhaben erfüllt.
Die „Presse“ fragte bei Algeriens Coach Vladimir Petković nach, ob es vielleicht sogar der konkrete Plan war, spät im Spiel noch einmal zuzuschlagen und sich damit für Gijón zu revanchieren. Die Antwort des Schweizers war vielsagend: „Wir wollten den Gegner in den letzten 15 Minuten auf die Probe stellen und schauen, wie er reagiert. In der Hoffnung, siegen zu können.“ Man wird in Algerien auch in Zukunft über Gijón sprechen.