Der globale Ölpreis legt einen sensationellen Preissturz hin. Von der Geschwindigkeit der Verbilligung sind auch Experten überrascht.
Seit einigen Tagen kommen wieder Öltanker ungehindert durch die Straße von Hormus. Imago / Modis Team/nasa Gsfc
25.06.2026 um 09:22
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Der Preis für ein Fass der Erdölsorte Brent fiel am Donnerstag unter 72,48 US-Dollar und ist damit erstmals wieder so günstig wie vor Ausbruch des Iran-Kriegs. Die globale Referenzsorte gab den vierten Handelstag in Folge nach. Auch die US-Sorte West Texas Intermediate lag bei knapp 69 Dollar und damit in etwa auf dem Niveau von Anfang des Jahres.
Grund dafür ist die Entspannung in der Krisenregion im Nahen Osten. Seit wieder mehr Öltanker durch die Straße von Hormuz kommen, sind wichtige Teile des Marktes plötzlich gut versorgt: Das Angebot aus dem Nahen Osten und Afrika stieg zuletzt deutlich.
Dennoch sei es „ziemlich erstaunlich, wie stark sich der Preis und das Marktnarrativ binnen zweier Wochen gedreht haben“, sagte Carolyn Kissane, Associate Dean des Center for Global Affairs der New York University. „Die Vorstellung, dass wir nun auf mehr Angebot bei geringerer Nachfrage zusteuern, hat den Preisrückgang wirklich vorangetrieben.“ Alle Risiken, dass die Öffnung nur von kurzer Dauer sein könnte, dürften aktuell nicht eingepreist sein.
Die steigende Verfügbarkeit von Öl hat die Preise für physische Lieferungen von Angola bis zu den Vereinigten Arabischen Emiraten gedrückt. Eine befristete Ausnahmegenehmigung der USA, Käufe von bereits verladenem iranischem Öl zu ermöglichen, dürfte das Angebot zusätzlich erhöhen. Allerdings bestehen weiterhin Hürden bei Finanzierung und Versicherung.
Ein weiteres Thema, das wohl Sorgen auslösen dürfte, ist die Aussicht, dass der Iran eine Gebühr für die Durchfahrt durch die Straße von Hormuz erheben könnte. Trump sagte am Mittwoch vor Reportern, Durchfahrtsgebühren wären für die US-Verhandlungen mit Teheran eine rote Linie. Er werde ein endgültiges Abkommen ablehnen, sollten sie darin enthalten sein.
Der schnelle Abbau des Angebotsengpasses macht sich auch in den Lagerbeständen bemerkbar. Die Vorräte im US-amerikanischen Cushing im Bundesstaat Oklahoma fielen zuletzt auf rund 19 Millionen Fass. Das ist weniger als die gesetzliche Mindestmenge. Auch China hat seine Ölvorräte kräftig angezapft. All diese Reserven müssen in den kommenden Wochen und Monaten wieder aufgefüllt werden, was den Ölpreis zusätzlich stützen wird. (bloomberg/auer)