
Die Erregungsmaschinerie rund um die anstehende ORF-Wahl läuft auf Hochtouren, der Treibstoff scheint dabei nicht knapp zu werden. Auch die Diskussionsrunde „Links. Rechts. Mitte“ widmete sich dem Thema, wobei Moderator Michael Fleischhacker seine einleitenden Fragen rund um die Generaldirektorenwahl („Weht auf dem Küniglberg dann ein anderer Wind? Oder setzt die Politik einen Systemkandidaten durch?“) nicht wirklich ins Zentrum stellte. Vielmehr ging es um mangelnde Objektivität im ORF – und Armin Wolf.
Zuerst aber wurden die strategischen Fehler der ÖVP in der Sache analysiert und die Frage, ob das Ergebnis nicht schon fix sei. Christian Rainer, über Jahrzehnte Chefredakteur und Herausgeber des „Profil“, übte sich in Optimismus: Die Wahl sei noch offen, meinte er, weil die Stiftungsräte „nicht Stimmvieh sein wollen“.
Bald landete man bei einer allgemeinen Bewertung des ORF, Meinungsforscher Bernhard Heinzlmaier gab sich als sehr stimmstark, aber nicht nicht immer sachkundig. Partei für den ORF als Institution ergriff Puls 4-Moderatorin Manuela Raidl, die meinte, dass man sich in Krisen nicht allein auf private Medien verlassen könne. „Wenn wir komplett ehrlich sind, wird es bei Privatmedien am Ende trotzdem darum gehen, dass sich die Mühe auszahlt.“ Soll heißen: Beiträge würden an der Quote gemessen, wochenlange Recherchen könne man sich nicht leisten. Die ORF-Info müsse weiterhin gesichert bleiben.
Und schon war man beim Thema Objektivität. Voraussetzung für öffentlich-rechtliche Sender „sozusagen als Gegengeschäft für die Freiheit von Marktbedingungen“, wie Moderator Fleischhacker es formulierte. Dabei zeigte er ein (privates?) Posting von Armin Wolf, das nun auch offenbar vom ORF geprüft wird. Wolf hatte sich darüber echauffiert, dass die Medienmanagerin Eva Schütz für die Wahl nominiert worden war – und nannte sie „die Herausgeberin einer rechten, rassistischen, Fake News-Schleuder“, die „praktisch täglich den ORF diffamiert und Millionenverluste produziert“. Es mache ihn „ratlos“, dass ein Stiftungsrat sie für geeignet hält, den ORF zu führen.
Ein durchwegs problematisches Statement? Oder „sachlich begründet“, wie der ORF-Redaktionssprecher Dieter Bornemann meint? Vielleicht hat ja auch das bald ein gerichtliches Nachspiel, wie so vieles im und um den ORF derzeit. „Kränkt Sie das, was Armin Wolf da über Sie geschrieben hat oder glauben Sie, dass es eher eine Wahlempfehlung für Sie sein wird?“, fragte Fleischhacker leicht süffisant. Es kränke sie „absolut nicht“, meinte Schütz, aber „strategisch“ habe Wolf nicht gerade klug gehandelt, weil er so „jedem Vorurteil gegen ihn“ recht gebe. „Er nimmt sich einen Kandidaten heraus und schreibt einen relativ unterirdisch formulierten Tweet“, einen Kommentar zu einem „tagespolitischen Thema“.
Anmerken sollte man freilich, dass die Eignung von Eva Schütze nicht gerade offensichtlich ist. Und ihr Medium sich nicht (immer) an journalistischen Standards orientiert. Was Fleischhacker schließlich sanft erwähnte. „Der Exxpress berichtet ziemlich pointiert und auch ohne Anspruch auf Objektivität“, da könne man schon fragen, ob Schütz das zu einer geeigneten Kandidatin mache für einen ORF, „der ein Objektivitätsgebot hat“. Sie wich wortreich aus.
Man besprach noch eine Weile die Frage, ob und wo es dem ORF an Objektivität mangelt und wieso FPÖ-Wähler hier besonders misstrauisch sind, bevor es einen thematischen Wechsel zum EU-Asylpaket gab. Mit guten Argumenten, Polemik und nicht zuletzt Emotion à la Heinzlmaier: „Mia tut a jeder Mensch lad.“ Eine bisserl Humor gab es dann auch noch. Österreichs Sitz im UN-Sicherheitsrat und die Frage, was das bringe (Christian Rainer: „Gar nix“), hob die Laune. Man kann ja nicht jedes Thema so ernst nehmen wie den ORF.