Selbst Leute, die mit Gärtnern rein gar nichts anfangen, könnten zumindest ein paar Töpfe mit Kräutern auf der Fensterbank oder auf dem Balkon aufstellen. Macht wenig Arbeit, schaut gut aus, schmeckt herrlich und ist gesund.
Kräuter sind Multitalente. Sie sind fast alle recht einfach zu ziehen, und sie sind so derart vielfältig einsetzbar, dass bereits Sebastian Kneipp verkündet hat: „Ich habe die tiefste Überzeugung, dass die Kräuter nicht nur Heilmittel, sondern auch ganz ausgezeichnete Nährmittel sind.“
Selbst in einem einfachen Küchenkräuter-Potpourri steckt mehr Gesundheit als Sie vermuten würden. Je frischer die Kräuter zum Einsatz kommen, desto besser. Im Idealfall schreiten Sie also mit der Schere in den Garten oder auf den Balkon und ernten die Gesundheitsspender in der von Ihnen selbst verantworteten Bioqualität gleich selbst.
Zum Beispiel den allseits beliebten Schnittlauch. Der versorgt Sie mit beträchtlichen Mengen der Vitamine A und C, aber auch mit viel Eisen. Oder die Petersilie: Ein Bund dieses beliebtesten aller Küchenkräuter enthält im Schnitt mehr Vitamin C als ein Glas Orangensaft. Außerdem ist der Petersil einer der wichtigsten Lieferanten des Spurenelements Mangan.
Noch ein paar Beispiele? Basilikum enthält nachweislich Antioxidantien, Kresse versorgt uns neben vielem anderen mit Jod, Magnesium und Chrom, und dass die antibiotische Wirkung der im Salbei enthaltenen Phenolsäuren Halsweh „weggurgeln“ kann, ist seit Jahrtausenden bekannt.
Um Ihren Kräuter-Apotheken- und Gourmetgarten allerdings knackig frisch und gesund zu erhalten, sollten Sie ein paar Grundregeln beachten und den jeweiligen Pflanzen die richtige Pflege und den rechten Standort zuteilwerden lassen. Petersilie, Schnittlauch und Minze wollen schwere, feuchte, gut düngerversorgte Böden und sollten nicht prallsonnig stehen. Im Gegensatz zu Salbei, Rosmarin und Thymian, die unbedingt in der vollen Sonne baden, aber nicht zu viel gegossen und nicht zu viel gedüngt werden wollen.
Und: Kraut ist nicht Kraut! Kosten Sie sich genüsslich durch die unterschiedlichen Geschmackswelten der diversen Sorten. Allein zwischen Spearmint und Apfelminze, um nur zwei beliebte Vertreterinnen der großen Minzefamilie zu nennen, liegen kulinarische Welten. Erstere würzt köstliche Braten, zweitere wird als Tee von Feinspitzen hoch geschätzt. Das gleiche gilt natürlich für die sortenreichen Familien des Thymians und des Basilikums. Einsetzen und ausprobieren.
Sie haben unendlich viele Möglichkeiten, Kräuter im Garten oder auf dem Balkon zu integrieren. Die meisten Kräuter lassen sich ausgezeichnet in Töpfen kultivieren. Oder Sie legen einen reinen Kräutergarten an, wie seinerzeit die alten Perser und die Mönche des Mittelalters. Sie können aber auch einfach freie Stellen in Ihren Blumenrabatten benutzen, um dort Kräuter zu ziehen. Das hat mitunter sogar heilsame Wirkung auf deren Umgebung, denn nachweislich tun einander Rosen und Lavendel gut, Bohnenkraut und Dill vertragen sich bestens mit Erdbeeren, Kapuzinerkresse vertreibt, auf die Baumscheiben junger Obstbäume gesetzt, Läuse und Weiße Fliegen, und Minze kann Wein vor Mehltau schützen.
Neben diesen Klassikern der Kräuterwelt gibt es noch jede Menge weiterer Aromabomben zu entdecken. Der hier gezeigte Anis-Ysop (Agastache foeniculum) etwa ist eine fantastische Tee- und Gewürzpflanze und außerdem ein Prachtkerl, den auch der Sturm nicht umwirft, obwohl er bis zu 120 Zentimeter hoch wächst. Er blüht monatelang, seine lila Blütenkerzen sind bei Insekten beliebt. Die winterharte Pflanze wird zwar nicht sehr alt, doch sät sie sich mächtig aus, sodass fortan niemals Mangel herrschen wird.
Liebstöckel, auch Maggikraut genannt und in der Küche unverzichtbar, kann sich zu einer imposanten Staude auswachsen. Die Blätter sollten noch vor der Blüte geerntet werden, später verlieren sie stark an Aroma. Dafür entschädigt Sie der Liebstöckel-Samen. Ernten, trocknen, mit dem Mörser zerkleinern und sparsam über Suppen, Ragouts und Ähnliches streuen. Aromabombe!
Eigentlich könnte man allein mit Kräutern einen recht geräumigen Garten füllen, mit Köstlichkeiten wie Estragon, Ysop, Bergbohnenkraut, diversen Sauerampfern, mit Exotischerem wie dem hübschen Arabischen Bergkraut, der Goldmelisse, dem geschmacklich irgendwo zwischen Sellerie und Petersilie angesiedelten Schottischen Liebstöckel, der wilden Rauke, die besser schmeckt als Rucola und zig mehr.
Lexikon
Balkongarten. Kräuter sind die idealen Pflanzen für Balkon und Terrasse. Sie gedeihen im Topf, sind oft auch frosthart und mehrjährig, machen kaum Arbeit und schauen noch dazu prächtig aus. Das frische Aroma der Kräutervielfalt kommt in der Küche zum Einsatz, kann aber auch getrocknet für den Winter aufgehoben werden.
Kübelpflanzen. Wer Platz für Überwinterung hat, ergänzt den Kräuterreigen mit nicht winterharten Kübelpflanzen wie Zitronenverbene, Lorbeer, Strauchbasilikum, Zitronengras, Ananas-Salbei, Duftgeranien, Süßkraut, Makrut-Limette und vielen mehr.
Standort. Der ist, wie bereits erwähnt, ausschlaggebend. Nicht alle Kräuter wollen pralle Sonne, wählen Sie also je nach Gegebenheiten die rechten Pflanzen.