Melanie Bleffgen zeigt auf, was wir aus der Good Health Study lernen können
Melanie Bleffgen ist stellvertretende Leiterin Evidence & Education, Wissensmanagement bei Biogena Christopher Kierstein
Warum ist Magnesium im Körper so
wichtig?
Melanie Bleffgen: Magnesium ist nach Kalium das zweithäufigste intrazelluläre Kation und ein essenzieller Cofaktor in mehr als 300 Stoffwechselreaktionen. Es ist beteiligt an der Proteinsynthese, der zellulären Energiegewinnung und -speicherung sowie an der DNA- und RNA-Synthese. Zudem stabilisiert es mitochondriale Membranen und beeinflusst zahlreiche Funktionen wie die Nervenleitung, neuromuskuläre Erregungsübertragung, Muskelkontraktionen, den Herzrhythmus, den Gefäßtonus, den Blutdruck sowie den Glukose- und Insulinmetabolismus.
Warum wird Magnesium im klinischen Alltag oft nur auf Muskelkrämpfe oder sportliche Belastung reduziert?
Melanie Bleffgen: Das liegt vor allem daran, dass Muskelkrämpfe das deutlichste Symptom eines Magnesiummangels sind. Tatsächlich zeigt die Praxis jedoch, dass Magnesium bei einer Vielzahl von Beschwerden eine Rolle spielen kann, etwa bei Erschöpfung, innerer Anspannung, Schlafproblemen oder grenzwertigen Blutdruckwerten. Es ist daher wichtig, den Mineralstoff im größeren Kontext der Gesundheit zu sehen.
Was zeigt die BIOGENA Good Health Study in Bezug auf den Magnesiumstatus?
Melanie Bleffgen: Die Studie hat 1377 Erwachsene in Österreich untersucht und dabei Blutparameter, Resilienz, Schlafqualität, Wohlbefinden und Supplementeinnahme erfasst. Besonders interessant ist, dass wir den Magnesiumstatus im Vollblut gemessen haben, weil dort etwa 70 Prozent des Magnesiums in den Erythrozyten vorliegen. Die Ergebnisse zeigen, dass ab einem Vollblutwert von 35,0 mg/l eine Steigerung der Resilienz zu erkennen ist – bei Männern um 6 Prozent, bei Frauen um rund 4 Prozent. Außerdem war bei Frauen ein höherer Magnesiumstatus mit weniger Einschlafschwierigkeiten verbunden.
Was bedeuten die Ergebnisse bezüglich der Magnesiumwerte in Bezug auf die klassischen Referenzbereiche?
Melanie Bleffgen: Schon nach klassischen Referenzbereichen erscheint die Magnesiumversorgung der Bevölkerung nicht optimal, da rund 10 Prozent unterhalb der Normwerte liegen (Frauen: 29,8–37,5 mg/l; Männer: 31,2–39,1 mg/l). Die Ergebnisse der Good Health Study zeigen außerdem, dass viele Personen trotz „normaler“ Laborwerte den laut der Studie anzustrebenden Wert von 35,0 mg/l nicht erreichen. Dies deutet darauf hin, dass die funktionell optimale Versorgung noch unzureichender ist, als anhand der Referenzwerte anzunehmen wäre.
Welche praktischen Schlussfolgerungen lassen sich aus der Good Health Study ziehen?
Melanie Bleffgen: Die Studie zeigt keine Kausalitäten, aber sie macht deutlich, dass ein niedriger Magnesiumstatus mit funktionellen Beeinträchtigungen in Zusammenhang stehen könnte. Für die Praxis bedeutet das: Wir sollten den Magnesiumstatus bei Patientinnen und Patienten mit unspezifischen Beschwerden wie Stress, Schlafproblemen oder innerer Erschöpfung berücksichtigen. Magnesium ist kein Allheilmittel oder Ersatz für leitliniengerechte Therapien, aber ein bedeutender biologischer Co-Faktor, der in einem ganzheitlichen Ansatz nicht vernachlässigt werden sollte.
Für wen ist die Aufmerksamkeit auf den Magnesiumstatus besonders relevant?
Melanie Bleffgen: Besonders Menschen, die unter hoher Stressbelastung, Schlafstörungen, erhöhtem kardiometabolischem Risiko oder diffuser Erschöpfung leiden, profitieren von einer genauen Betrachtung ihres Magnesiumstatus. Auch Therapeutinnen und Therapeuten, die Patientinnen und Patienten in diesen Bereichen betreuen, sollten Magnesium in ihre Diagnostik und Prävention einbeziehen. Es ist eine Schnittstelle zwischen Zellstoffwechsel, Nervenfunktion und Gefäßregulation, die in der Praxis eine große Bedeutung hat.