Von kühnen Entwürfen, erbitterten Debatten und einem Projekt am Rande des Scheiterns. Was einst das größte Kulturbauvorhaben der Zweiten Republik war, ist heute das erfolgreichste Kunst- und Kulturareal Europas
30.06.2026 um 00:01
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Was einst das größte Kulturbauvorhaben der Zweiten Republik war, ist heute das erfolgreichste Kunst- und Kulturareal Europas: das MuseumsQuartier Wien. Aus der Stadt längst nicht mehr wegzudenken, ist das MQ Treffpunkt, Begegnungs- und Erlebnisraum und zugleich internationaler Tourismus-Hotspot wie Wohnzimmer der Wiener:innen.
Jährlich kommen rund fünf Millionen Besucher:innen ins MQ, um das Areal in all seinen Facetten zu erleben: bei Veranstaltungen auf der MQ Sommerbühne, in den Ausstellungen der MQ Institutionen oder auf den Enzis in den MQ Höfen. Doch was heute selbstverständlich erscheint, war lange Zeit alles andere als sicher.
Einst Großbaustelle, heute Lieblingsort: Nach Jahren intensiver Debatten wurde das MQ 2001 eröffnet. Heuer feiert das MuseumsQuartier Wien sein 25-jähriges Jubiläum. Thomas Meyer, Margherita Spiluttini
Anlässlich des Jubiläums 25 Jahre MQ widmet sich die Ausstellung „Vision und Widerstand – Wie das MuseumsQuartier Wien veränderte“ im MQ Freiraum der spannenden Geschichte des MQ: von kühnen Entwürfen, erbitterten Debatten und einem Projekt, das immer wieder am Rand des Scheiterns stand.
Das Areal wurde im 18. Jahrhundert als kaiserliche Hofstallungen errichtet und später als Messepalast genutzt. Ab den 1970er-Jahren verdichtete sich die Idee, daraus ein neues Kulturareal zu entwickeln. Was folgte, war ein politischer Marathon zwischen Euphorie und Skepsis, politischem Interesse und künstlerischen Ambitionen, zwischen Bewahren und Transformation und heftiger öffentlicher Kritik.
Das hdgö bekommt im MQ einen neuen Standort. Filippo Bolognese Images
Kaum ein Bauprojekt hat Wien so polarisiert wie der Entwurf für das MQ. Die „Kronen Zeitung“ sprach vom „Museumsmonster“, Bürgerinitiativen liefen Sturm, internationale Expertinnen und Experten meldeten sich kritisch zu Wort.
Im Zentrum der Debatte stand der 67 Meter hohe Leseturm, ein markantes Wahrzeichen ohne klare Funktion. Bald wurde das Konzept als Ganzes in Frage gestellt, der Leseturm sollte fallen, die Museen wurden deutlich niedriger. 1998 begann der Bau nach weitgehend neuer Planung, 2001 wurde das MuseumsQuartier eröffnet – mit einer programmatischen Offenheit, die das MQ bis heute prägt. Die Ausstellung macht diese Auseinandersetzungen und die Entwicklung zum heutigen legendären Kunst- und Kulturareal anhand von Skizzen, Original-Architekturmodellen, Plänen, historischen Dokumenten, Zeitungsberichten und Schlagzeilen nachvollziehbar.
Kreidezeichnung des verworfenen Leseturms Ortner & Ortner
Da das MuseumsQuartier nie als „fertig“ gedacht war, sondern stets als ein Areal in Transformation, blickt die Ausstellung auch in die Zukunft. Mit der Nachhaltigkeitsinitiative „MQ goes Green“ werden die Höfe dauerhaft bepflanzt. Die Maßnahmen sind ein weiterer Schritt, um das MQ zu einem energieeffizienten und umweltbewussten Areal zu machen und bis 2030 Klimaneutralität zu erreichen. Das größte kulturelle Bauprojekt des 21. Jahrhunderts, das Haus der Geschichte Österreich (hdgö), ist die erste institutionelle Erweiterung des MuseumsQuartiers seit 2001.
Juni 1998 – März 2000 Margherita Spiluttini
Heute ist das MuseumsQuartier eines der weltweit größten Kunst- und Kulturareale. Mit seinen vielfältigen Institutionen und der Gestaltung und Begrünung der Höfe hat es sich als öffentlicher Raum etabliert, in dem Kunst, Kultur und Alltag ineinandergreifen. Es bleibt bis heute ein Ort des Ausverhandelns, ein kultureller Knotenpunkt für künstlerische und gesellschaftliche Diskurse.
Information
Vision und Widerstand – Wie das MuseumsQuartier Wien veränderte
Ort: MQ Freiraum
Laufzeit: 30.06. – 25.01.2027
Kuratiert von Andreas Nierhaus